
Weiche, sanfte Bilder von jungen Menschen, die sich langsam, wie im Traum, bewegen. Fernsehwerbung? Ein romantischer Film?
Schnitt. Das Bild ist plötzlich scharf. Arme und Beine, denen man die rheumatische Erkrankung ansieht. Keine Zeitlupe und kein Weichzeichner mehr. Ein Werbespot ist das nicht. Und auch kein Leinwanddrama aus der Traumfabrik.
Nein - diese Szenen sind Teil eines Films, den die Landesverbände Rheinland-Pfalz und Thüringen der Deutschen Rheuma-Liga gemeinsam produziert haben. Sein Titel: "Leben - jetzt erst recht! Alltag und Perspektiven junger Rheumatiker". Finanziert wurde dieses Projekt mit Zuschüssen des Bundesverbandes, der einen Film-Wettbewerb zur Lebenssituation junger Rheumakranker ausgeschrieben hatte, sowie durch Sponsoren und Eigenmittel.
Das Drehbuch schrieben die fünf jungen Darsteller selbst. Drei von ihnen leben in Rheinland-Pfalz, zwei in Thüringen. In dem Film schildern sie ihr Leben, ihren Umgang mit der Krankheit, ihren Alltag. Dabei geht es ihnen nicht nur um ihr eigenes Schicksal, sondern auch um das anderer Betroffener. Der Dokumentarfilm soll zum einen den Aufbau von Gruppen junger Rheumakranker vor Ort und die Zusammenarbeit zwischen "Ost" und "West" fördern. Er stellt die Lebenssituation und die Lebensqualität der jungen Rheumakranken dar und zeigt ihre Gemeinsamkeiten ebenso wie ihre Individualität.
Wichtig war den Filmemachern, anderen Betroffenen praktische Tips zur Alltagsbewältigung zu geben und vor allem, ihnen Mut zu machen. Doch auch nach "außen" richtet sich der Film, an die Öffentlichkeit, in der das Wissen über rheumatische Erkrankungen eher oberflächlich ist. Eine Passantenumfrage zu Beginn des Films macht deutlich, wie notwendig es ist, über Rheuma, gerade bei jungen Menschen, zu berichten. Oft stießen die fünf auf Halbwissen und Vorurteile.
Drei Vorbereitungstreffen dienten den jungen Leuten zum besseren Kennenlernen. Dabei wurde zunächst über Krankheit und Gesundheit, Beruf, Wohnen und Freizeit gesprochen. Schließlich ging es auch um persönliche Wünsche, Hoffnungen und Enttäuschungen.
Auf diesen Treffen erarbeiteten die Jugendlichen auch das Drehbuch für ihren Film. Tatkräftig unterstützt und angeregt wurden sie von den Geschäftsführern Werner Armoneit (Thüringen) und Christel Christe (Rheinland-Pfalz), die gemeinsam mit ihnen erste Ideen in Bilder und Worte umsetzten. Ein hartes Stück Arbeit, von der ersten vagen Idee bis zum Festlegen der Drehorte, der Schnitte, der Requisite und der genauen Szenenfolge.
Ins Bild gesetzt wurden die Sequenzen des Films von Oliver Grieve, einem professionellen Fernseh-Kameramann. Im Mittelpunkt der Drehtermine standen die berufliche und persönliche Situation der jungen Rheumakranken. Der Verlust der Arbeit - durch "Verrentung" oder Arbeitslosigkeit - wird sehr schmerzlich erlebt. Das Gefühl, mit 25 schon Rentner zu sein, wie das bei Angela der Fall ist, und die Wut auf eine Gesellschaft, in der es nicht genug behindertengerechte Arbeitsplätze gibt, kommen deutlich zum Ausdruck.
Ein weiterer Aspekt des Films ist die medizinische Aufklärung. So informiert Präsident Dr. Ulf Droste über die Häufigkeit und Ausprägung rheumatischer Erkrankungen bei Jugendlichen und stellt auch verschiedene Therapiemöglichkeiten vor.
Die fünf jungen Leute haben in der Beschäftigung mit dem Stoff und damit ihrer eigenen Situation viel über sich selbst gelernt und sich dabei nicht nur in der Rolle des Rheumakranken erfahren. Sie hatten Freude beim Drehen, aber auch Phasen der Frustration: "Wenn du deine Hände plötzlich in einer Großaufnahme siehst, ist das schon hart." Der Film zeigt deutlich, dass eine rheumatische Erkrankung enorme Einschränkungen mit sich bringt. Man muss auf vieles verzichten.
Aber um so mehr Sicherheit und Selbstwertgefühl vermitteln die Erfolge, die man trotz der Krankheit oder sogar gegen sie errungen hat. Und viele Dinge erleben die jungen Rheumakranken intensiver, weil sie für sie nicht selbstverständlich sind. Außerdem bot das Filmprojekt ihnen die Möglichkeit, in ihrer Situation auch die des anderen zu sehen. So wurde aus den individuellen Porträts der fünf eine Darstellung der Lebensumstände vieler junger rheumakranker Menschen.
Aus den zahlreichen Drehstunden ist ein etwa 20 Minuten langer Film entstanden. Seine Produktion war zwar für alle Beteiligten mit viel Arbeit und Zeitaufwand verbunden. Aber, so Bernardy, "es hat auch Spaß gemacht". Noch mehr würden sich die fünf jedoch freuen, wenn der Film ein möglichst breites Publikum erreicht.
Eine Videocassette mit diesem Film können Sie über die Geschäftsstelle des Landesverbandes ausleihen.